Fahrradtour Brixen - Verona - Gardasee - Iseosee - Bernina - Innsbruck - Augsburg 

2010

 

 

 

Halloooo liebe Radlerfreunde, da bin ich mal wieder. Inzwischen 55 Jahre alt, möchte ich zunächst auf meine früheren Touren vom Brenner nach Porec und zurück nach Innsbruck, siehe  Brenner-Porec-Venedig-Innsbruck 2005 und vom Brenner über den Großglockner nach Göppingen, siehe Brenner-Stallersattel-Großglockner-Füssen-Göppingen 2007 verweisen.
Die diesjährige Tour dauerte vom 28. August bis zum 10. September 2010. Die Radstrecke verlief in der Regel auf ausgebauten Radwegen oder Nebenstraßen. 
Der Etschtalradweg verläuft von Brixen bis Verona sogar zum großen Teil auf einer extra Radstrecke. Ausgerüstet war ich mit einem 27-Gang Trekkingrad (immer noch die alte Mühle von 2005). Außerdem hatte ich eine Satteltasche mit ca. 10 kg Gepäck und Fahrradkarten im Maßstab 1: 200 000 dabei. Die reine Fahrzeit betrug 11 Tage.
Die Gesamtstrecke belief sich auf rund 890 km. Die Angaben hinter den Ortsnamen sind Höhenmeter. 
Die Anreise bis Brixen erfolgte per Familienkutsche und angeheirateter Chauffeuse.
2017 habe ich die Tour mit
 Komoot, einem Navigationssystem für Wanderer und Fahrradfahrer, welches ich seit 2015 einsetze, nachgeplant und so kann man sich die Streckenabschnitte Brixen-Verona-Tirano, Bernina-Innsbruck und Seefeld-Augsburg durch Anklicken ansehen. Die gefahrenen Kilometer weichen von den Plankilometern ab, da kleine Zusatzstücke und Irrwege im Plan nicht enthalten sind. 

Wer Interesse an meinen anderen, ins Netz gestellten Touren hat, einfach zum Ende der Seite scrollen


1. Tag: Brixen – Trient 120 km  

Am Morgen fotografierte mich meine Frau in Brixen (538) noch mit einem „Don Camillo“ und dann ging es los. Ich mit Fahrrad auf einer schön ausgebauten Fahrradstrecke,

bis Bozen häufig einer ehemaligen Eisenbahntrasse, meine Frau oben auf der Brennerautobahn.  
Vermutlich habe ich Sie mindestens einmal überholt. Oben am Talrand konnte ich die Staus auf  der Autobahn beobachten und drunten rollte ich gemütlich bergab.

















                          Brixen                                                                                                                                                                                                       Burg Klausen

Vorbei an der Burg Klausen, wurde in Bozen eine
Mittagspause gemacht, bevor es weiter zur Salurner Klause, der Sprachgrenze zwischen dem deutschen und italienischen Sprachraum, ging. 
Auf der Strecke entlang der Etsch übersah ich dann, dass der Radweg die Flussseite wechselte. Als ich dann endgültig im Gebüsch fest hing, bemerkte ich den Fehler und musste wieder umkehren. Zwischen der tosenden Etsch und der Autobahnleitplanke war einfach kein Durchkommen mehr!  Die Etsch auch sonst meistens in unmittelbarer Nähe des  Radwegs erreichte ich dann gegen Abend Trient. Das Touristenbüro hat mir dann direkt am Domplatz noch ein preiswertes Zimmer mit Etagendusche in einem Hotel garni (ca. 40,00 €) vermittelt.

  

Trient (194) ist einfach nur sehenswert. Die Straßen und Plätze mit italienischem Flair. Abends viel los und Pasta, Vino e Gelato

Besonders zu erwähnen ist das Castello Buonconsiglio, der ehemalige befestigte Sitz der Fürstbischöfe von Trient










                                                                                                                                                           Castello Buonconsiglio
                         

                             Trient Dom                                                                                                                                                                                                 

Interessant auch wieder mal, dass Verrat immer eine Frage des Standpunkts ist. Im ersten Weltkrieg hatte der Trientiner, also damals österreichische Cesare Battisti nämlich den Fehler gemacht, freiwillig in der italienischen Armee zu dienen und sich dann gefangennehmen zu lassen. Die Österreicher bauten ihm, obwohl österreichischer Abgeordneter und Reichsrat mit Immunität, dann extra eine Gefängniszelle im Castello, machten ihm dort den Kriegsgerichtsprozess und hängten ihn anschließend im Burggraben auf.  
Zum Dank bekam er von den Italienern hoch über der Stadt einen Ehrenmal im Stil eines griechischen Tempels und es gibt in fast jeder italienischen Stadt eine Via oder 
Piazza Cesare Battisti.


2. Tag: Trient – Ala 44 km

Aufgrund meiner Besichtigung Trients am Vormittag ließ ich es am zweiten Tag ruhiger angehen und fuhr nur bis Ala (290). Gardaseetouristen dürften es als Autobahnabfahrt kennen. Es ist ein kleines italienisches Städtchen, eher Dorf und bot mir in einem dortigen Hotel eine angenehme, preiswerte Bleibe für die Nacht (ca. € 30,00) und eine prima Pizza am Abend. Vor dem Abendessen bummelte ich noch ein wenig durchs Dorf und über den dortigen Friedhof. Die italienischen Friedhöfe haben in der Regel Fotos der Verstorbenen auf den Grabsteinen. Eine schöne Sitte. Das Grab wirkt auf diese Weise nicht so anonym. Berührend waren die Kindergräber, die teilweise mit Spielsachen dekoriert waren

3. Tag: Ala – Verona 63  km

 

   
 

Am dritten Tag näherte ich mich vor Verona dann dem Ende des gebirgigen Teils des Etschtales.
Die Österreicher hatten dort auch zwei Festungen gebaut. 

Geholfen hat es nichts.

Nach dem ersten Weltkrieg fielen Oberitalien und Südtirol im Frieden von Saint Germain als Belohnung für Italiens Kriegs- eintritt auf Seiten der Entente an Italien und damit auch die dortigen Festungen.

 

 

                  Unteres Etschtal                                                                                                                                                                             Festung

 

Der Radweg bog übrigens kurz nach obigem Bild von der Etsch ab und es ging recht steil den Berg rauf. Die Belohnung war dann der schöne Blick aufs Etschtal und auf die Festung. Ansichten, die man als Autofahrer in der Regel nicht zu Gesicht bekommen dürfte. Anschließend ging es dann entlang eines E-Werk-Kanals am oberen Rand des 
Etschtals bis Bussolengo (127) und dann hinab nach Verona (59).

Zunächst musste wieder mal eine Unterkunft gesucht werden. Da die Touristeninformation gerade nicht besetzt war, machte ich mich in der Innenstadt selbst auf die Suche und landete in einem zentral gelegenen, aber etwas teurerem Hotel (ca. 70,00 €). Die großen Festspiele waren schon vorbei und so war die Stadt nicht so überlaufen. Vor der Arena stand noch die Bühnendekoration der Aufführung Aida herum und ansonsten habe ich mir die wirklich schöne Stadt angesehen.
 

      

                                Arena                                                                                  Castelvecchio                                                                                   Etsch

 

4. Tag: Verona – Pachengo (Gardasee) 36  km

Am nächsten Vormittag setzte ich die Stadtbesichtigung fort und fiel dann doch tatsächlich noch auf einen Touristengag herein. Ich fand auf dem Stadtplan nämlich das Grab Julias, habe es besichtigt und dabei zunächst völlig vergessen, dass es sich ja nur um ein Theaterstück Shakespeares handelt. Das fiel mir erst wieder ein, als ich vor dem leeren Steinsarkophag stand.
Na ja was soll´s. Irgendwo in der Stadt ist auch der angebliche Balkon Romeos!

 


Als Problem stellte sich die Ausfahrt aus Verona heraus. Rein kommt man in jede italienische größere Stadt sehr gut, einfach immer nur dem Wegweiser "Centro" folgen, aber raus???

Ich landete zwar nicht, wie vor einigen Jahre mal in Triest, auf der Autobahn, aber viel hätte wieder mal nicht gefehlt.
Nach einigen  Irrungen und Wirrungen durch die Vororte Veronas fand ich dann endlich die Straße Richtung Peschiera bzw. Gardasee. 
Leider war keine Nebenstrecke auffindbar. Ich hatte auch keine  große Lust zum Suchen und so "genoss" ich etwa 25 km auf dem Seitenstreifen der SR 11, die
ich dann kurz nach Castelnuovo del Garda (130) verlassen konnte, um über ein dann wieder deutlich ruhigeres Nebensträßchen den Campingplatz in Pacengo (76) direkt am Ufer des Gardasees zu erreichen. 

 

 

 

 



                    "Julias Grab"

 

5. - 6. Tag: Pachengo (Gardasee) 0  km

Auf dem Campingplatz hatte sich inzwischen meine Frau in einem Ia Casa Mobile einquartiert und ich legte zwei Tage Pause ein, d.h. Baden, far niente e pizze e paste! 
Die Preise dort waren übrigens recht zivil. Ob das an der beginnenden Nachsaison lag, oder ob der Gardasee nicht so eine Neppregion ist wie z.B. die italienische Adriaküste, vermag ich nicht zu sagen. Da es am See schon etwas ruhiger war, wurde die Promenade morgens von einer Gruppe Schwäne belagert, denen man besser nicht zu nahe kam. Einen Abend verbrachten wir in Peschiera, einer kleinen Stadt am See mit vielen alten Festungsanlagen.  

   

                    Strandfreunde                                                                     Kampfschwäne                                                                       Stadttor Peschiera

 

7. Tag Pacengo - Pisogne Iseosee 113 km

Nun wurde es mit der Radlerei etwas anstrengend. Weniger wegen der nicht allzu hügeligen Landschaft, sondern weil es von Pacengo über Brescia bis zum Iseosee keine offiziellen Radwege gibt. Es bleibt einem also nix anderes übrig, als zur Karte zu greifen, zu improvisieren und möglichst Nebenstraßen zu finden. D. h. zunächst auf der SR 11 raus aus Peschiera, dann den Schildern Richtung Sirmione folgen und auf  diese Weise die SR 13 wieder verlassen und weiter über Santa Maria di Lugana, mit oder ohne Abstecher nach Sirmione, nach San Francesco, Rivoltella und Desenzano (96). In Desenzano dann die Eisenbahnstrecke Richtung Brescia suchen, parallel zur Eisenbahn aus dem Ort raus ein Sträßchen den Berg hoch und mit etwas Glück landet man in Lonato. Nun ich will nicht weiter mit den Örtchen langweilen. Man muss halt auf die Karte schauen. Irgendwann kommt dann entlang der Straße eine ziemlich hässliche Zona industriale und schließlich landet man irgendwie in Brescia (150). Um die Mittagszeit habe ich dort vor der Weiterfahrt Richtung Innenstadt in einem Stadtpark erst mal gepicknickt. Weiter auf der Via Veneziale kommt man dann auf eine innerstädtische Ringstraße, die man je nach Lust und Laune entweder "links herum" oder "rechts herum" fahren kann. Im Ergebnis muss man jedenfalls genau auf der anderen Seite auf der Via Milano herauskommen, um die Stadt auf der richtigen Seite Richtung Iseosee wieder zu verlassen. Man kann natürlich auch mitten durch radeln und sich die Innenstadt ansehen.

Brescia selbst macht noch einen mehr norditalienischen, also doch recht gepflegten Eindruck. Ich selbst wollte an diesem Tag bis zum Iseosee und verzichtete deshalb auf eine Stadtbesichtigung.
Über Castegnato, gelangte ich dann nach Paderno Franciacorta. In diesem kleinen Städtchen war ich mir nicht mehr so sicher, wie ich nun am besten weiter nach Iseo fahre. 
 
Die Rettung nahte in der Person eines freundlichen, italienischen Polizisten. Ich konnte ihm mit meinem Mix aus Altlatein und Neuitalienisch verdeutlichen was mein Problem war. 
Er fuhr mit dem Polizeiauto einfach im Schritttempo vor mir her und lotste mich durch einige Sträßchen und Gässchen bis ans Ortsende. Von dort aus fuhr ich dann über idyllische Nebensträßchen über Passirano und einige Örtchen, die ich mir nicht gemerkt habe, tatsächlich glücklich bis Iseo (186) am gleichnamigen Iseosee.

Der Iseosee ist deutlich kleiner als der Gardasee, schon eher ein richtiger Gebirgssee und entsprechend schön zwischen hohen Bergen gelegen.

Auf einem Campingplatz bei Iseo konnte ich mich am dortigen Badeplatz im See abkühlen und genoss in der Abendsonne vor dem Strandlokal noch ein kühles Bierchen. 


Nett war auch ein Gespräch mit einem flämisch-belgischen Ehepaar, das kräftig über die wallonisch-belgischen Landsleute gelästert hat. Ja, ja, Reisen bildet! 

Gut erholt beschloss ich, noch einige Kilometer weiterzuradeln, um mir dann ein Hotel zu suchen. Das ging dann aber beinahe schief. Im nächsten Ort gab es kein Hotel und im übernächsten Ort, Marone, es begann zu dämmern, wollte man mir in einem Schlichthotel für eine Übernachtung 80,00 Euronen abknöpfen. Ich lehnte dankend ab, hatte aber nun ein Problem und etwas Abenteuerurlaub. Um nach Pisogne (198) zu kommen, musste ich auf der SP 32 ein bis zwei Kilometer durch einen dunklen, unbeleuchteten Straßentunnel fahren. Alternativstrecken gab es keine.
Links Wasser, rechts Berg! Obwohl es Freitagabend war, herrschte in dieser hintersten Ecke Oberitaliens noch relativ viel Verkehr. 
Also rein in den Tunnel, Augen auf und durch! Einige freundliche Autofahrer meinten dann auch noch, mich im Tunnel  anhupen zu müssen! Es war aber definitiv keine Autostrada, ich durfte dort fahren!




                           Iseosee Badestop 

 

 

Nach diesem unfreiwilligen Adrenalinkick kam ich im Dunkeln endlich in Pisogne an und fand erst nach einigem Suchen, obwohl es eigentlich ein, wenn auch kleiner, Fremdenverkehrsort ist, ein Hotel. Der Preis, ca. 60,00 € hat
mich abends um ca. 22
Uhr dann nicht mehr so gestört. Es war allerdings auch ein sehr gutes Hotel.

 






                                                                                                                                                                                                     Pisogne

8. Tag Pisogne-Edolo 66 km

Am nächste Morgen ging es gut ausgeruht hinein in das schöne Tal des Flusses Oglio Richtung Edolo. Hinter Pisogne fand ich die Ausschilderung für den Fahrradweg.

Der war nun wieder vom Feinsten, in der Regel auf asphaltierten Feldwegen und durch wunderschöne Landschaft. Das Tal war schon in der Steinzeit besiedelt. Unsere Vor- fahren haben sich an verschiedenen Stellen des Tals mit Wandmalerein, genauer gesagt Wandritzeleien, in die dortigen, weichen Felsen, ohne es damals sicher zu wissen,
bis heute verewigt. Die alten Römer waren natürlich auch schon da. So gibt es in Camuno (275) Reste eines römischen Amphitheaters zu sehen. 

Nach Camuno wurde es etwas anstrengend, denn der Radweg leitete einen nach vier bis fünf idyllischen Kilometern am Fluss plötzlich linker Hand den Hang hoch und führte dann am linken, oberen Talrand durch Orte wie Losine (368), Cerveno (500 ) oder Ono San Pietro (516). Danach ging es, wie immer in solchen Fällen als Lohn des Aufstiegsschweißes, rasant runter ins Tal nach Capo di Ponte (362). Zur Belohnung gönnte ich mir dort erst mal einen Cappuccino.

Leider endete dort auch der Radweg und den Rest der Strecke bis Edolo (720 ) musste ich auf der SS 42 fahren. Da es aber schon Samstagnachmittag war, war der Verkehr erträglich. An reinen Werktagen ist das vermutlich kein Vergnügen! Man kann das Stück aber auch per Eisenbahn überbrücken, die es dort tatsächlich noch gibt. In Edolo, einem Wintersportort an der Kreuzung dreier Täler, fand ich dann wieder ein nettes Hotel im Zentrum für ca. 40,00 € und ließ den Abend mit einem Ortsbummel und einer prima Pizza ausklingen

 

                              Ogliofluss                                                                                 Edolo                                                                                       Kampfkatze

 

9. Tag Edolo-Aprica-Tirano-Bernina-Zernez  91 km (ohne Zugstrecke)

Am nächsten Tag ging es auf der SS 39 zunächst hinauf auf nach Aprica (1180), einem Skiort auf dem gleichnamigen Pass. Da es ein Sonntagmorgen war, hatte ich kaum störenden Autoverkehr. An Werktagen könnte man von Edolo bis Corteno Golgi, also etwa zwei Drittel der Strecke auch auf der alten Straße fahren. Die Landschaft wurde hier endgültig alpin und sehr grün. Von Aprica hinunter nach Tirano (441) war es dann natürlich wieder die reine Radlerfreude. Es war allerdings durchaus sinnvoll, bergab mit langer Radlerhose und Jacke zu fahren, da der Fahrtwind doch recht frisch war. Kurz vor Erreichen des Addatals biegt man von der SS 39 nach rechts auf die SP 29 Richtung Stazzona ab und erreicht auf diesem direkterem Weg dann Tirano.

In Tirano hat die Schweizer Rhätische Bahn ihren eigenen Bahnhof. Dort bestieg ich den Zug und fuhr mit dem Berninaexpress bis hinauf zum Berninapass, zur dortigen Station unterhalb des Hospiz (2309) bzw. Berninapasses. Man kann die Strecke natürlich auch mit dem Fahrrad rauf. Wer aber nur ein bisschen Sinn für schöne Eisenbahnstrecken hat, m u s s  diese Strecke einfach mal gefahren sein. Alpen pur, die Bahn fährt ständig über Viadukte, durch Tunnels und über Kehren.

Die Strecke von Tirano zum Hospiz ist vermutlich auch schöner als die auf der anderen Seite runter nach Pontresina (1805), weil die Höhendifferenz größer ist und ent- sprechend mehr Kehren und Tunnels erforderte. Das Ganze war und ist wirklich ein Meisterwerk Schweizer Ingenieurskunst.

 

                          Berninaexpress                                                                        Berninaexpress                                                                           Berninasee

 

Die Abfahrt runter, vorbei an Pontresina bis Celerina (1714) im Inntal war eine Wucht, zumal die Straße angenehm breit, übersichtlich und kaum befahren war. Allerdings empfahl es sich trotz Sonnenscheins, die warmen Sachen anzubehalten. Das Inntal liegt hier doch recht hoch. Man vergisst  leicht, dass 1700 Höhenmeter nicht ohne sind. Wenn ich nun schon mal in der Gegend war, machte ich noch ein Abstecher nach St. Moritz (1822). Es ging also mal wieder bergauf. Na ja, der Ort mag im Winter ja der Treffpunkt der Schönen, weniger Schönen und Reichen sein. Bei Licht besehen und im Sommer ist nichts Besonderes an dem Ort.

Nach einem obgliatorischen Touristenphoto am Innstausee mit Blick auf das bekannteste Hotel des Orts, schwang ich mich wieder auf meinen Drahtesel und genoss die Fahrt durchs Inntal bis Zernez (1474). In der Schweiz sind die Radwege generell Ia ausgeschildert. Zu meinem Leidwesen ging es allerdings kurz nach La Punt Chamues weg vom Fluss, rechts den Hang rauf und dann auf Waldwegen immer bergauf bergab, bis man schließlich nach Zernez herunterradeln konnte. Auch diese Strecke war sehr schön, aber am Ende eines Radlertages bedurfte es doch einer gewissen Eigenmotivation, hier noch fröhlich weiterzuradeln. 

  

Da es in Zernez schon recht spät war, checkte ich dort im nächstbesten Hotel ein.
Der Rezeptionist machte mir, abends um ca. 20.00 Uhr, ein "Sonderangebot" für eine Übernachtung mit Frühstück für
80,00 €! Aber Hallo liebe Schwyzer! Echt preisgünstig!? Das Hotel war sicher gut, aber Zernez hat eigentlich nix Besonderes und Hochsaison war auch keine. Das Beste aber kam noch:

Auf der Speisekarte stand ein Chasfondue für 2 Personen. Ich fragte die Bedienung, ob es das Fondue auch für eine Person gebe? Die Bedienung kam zurück, bejahte und ich bestellte. Ich bekam dann eine relativ kleine  Portion und durfte den  v o l l e n   Preis bezahlen!

Soviel zur Schweizer Gastfreundschaft....

           



                                       Zernez

 

10. Tag Zernez-Imst  111 km

Bei strahlendem Sonnenschein ging es dann am Morgen weiter innabwärts. Bis Lavin (1432) (Eventuell war das auch schon in Susch!) führte der Radweg etwas oberhalb des Inns entlang. In Lavin (oder Susch) gingen die Wegweiser dann links steil nach oben und die Karte zeigte eine recht bergige Radstrecke an. Oha! Dachte ich mir. Muss das sein? 

Ich beobachtete die N 28 und stellte fest, dass trotz Werktag wenig Verkehr war. Also nix wie rauf auf die N 28! Es zeigte sich, dass die Idee goldrichtig war. Die Straße blieb wenig befahren, man fuhr relativ weit oben im Tal entlang,  immer im schönstem Sonnenschein und mit viel Alpenpanorama.

 



Weiter ging es über Scuol (1250) und Martina (1035) nach Vinadi und dort über die Grenze nach Österreich. 
Bei Vinadi muss man noch eine längere Lawinengalerie ohne   eigene Radspur passieren. Eine Alternative konnte ich nicht erkennen, da links der Berg und rechts in der Schlucht der Inn war.
Die Galerie war aber nicht so lang wie der Tunnel vor Pisogne und hatte von einer Seite Tageslicht.

Der Adrenalineffekt hielt sich also deutlich in Grenzen.


 




                            Ftan (Schweiz)                                                                                                                                                                      Inndurchbruch bei Martina


Ich radelte anschließend auf der österreichischen Bundesstraße 184, passierte linkerhand das Spissertal Richtung Samnaun und kurz vor Pfunds (970) mündet die B 184 in die vom Reschenpass herführende B 180. Die B 180 verließ ich mit der Ausfahrt Pfunds und machte am Ortsrand auf einer Idyllischem Wiese mit einem plätschernden Bächlein - Bergromantik pur- eine Mittagspause. Eigentlich wollte ich die Pause im dortigen Freibad verbringen, aber dieses hatte die Sommersaison schon abgeschlossen.

In Pfunds fand ich dann auch wieder den Inntalradweg, der mich nun durchgehend bis Innsbruck führen sollte. Der Inntalradweg verlief nun entweder auf meist asphaltierten Feldwegen oder Nebenstraßen.  

 


Einige Kilometer vor Landeck überquerte ich die Pontlatzer Brücke. In der dortigen Innschlucht hatten "am 1. Juli 1703 die tapferen Männer der vier Gerichte Landeck, Laudeck, Pfunds und Naudersberg unter Führung des kaisertreuen Patrioten Martin Sterzinger" 
(so die Inschrift auf einem Gedenkstein an der Brücke) eine zum Reschenpass marschierende, bayerische Truppe von 300 Mann 
des Kurfürsten
Max Emanuel II. mittels Steinlawinen und von auf den Hängen postierten Schützen weitgehend aufgerieben.  
Als 1809 bayrische Truppen, diesmal als Verbündete Napoleons, erneut in Tirol 
einmarschierten, gerieten sie am 8. und 9. Juli  zwischen den Brücken von Pontlatz und Prutz wiederum in eine Falle der Tiroler und hatten erhebliche Verluste.

Tja, die Tiroler waren so etwas wie die Guerillatruppe der frühen 19. Jahrhunderts! 

Nach Landeck (816) legte ich in Zams noch eine Pause beim Konditor ein. Dann ging es weiter auf dem Inntalradweg, an dessen  Rand Schilder öfters darauf hinweisen, dass man sich auf höchst historischen Pfaden bewegt, nämlich der römischen Via Claudia Augusta, die einst von der Adria über das Etschtal und den Reschenpass, das Inntal und den Fernpass nach Augsburg führte.
An einer Stelle, kurz nach Zams,  kann man sogar im felsigen Untergrund ein Stück der Straße mit möglichen Radspuren oder Rillen der ehemaligen Straße sehen. 
Gegen Abend erreichte ich dann Imst (828), das etwas abseits des Inntalradwegs oben am Hang liegt, sodass vor der heiß ersehnten Dusche und dem Abendessen noch ein abschließender Anstieg lag. Das Hotel in der Innenstadt war preiswert 
(ca. € 40,00) und bot leckere, Tiroler Kost.





                 Denkmal Pontlatz                                

 

 11. Tag Imst-Innsbruck  63 km

Unmittelbar nach Imst geht es dann zwischen Inn und Eisenbahnlinie durch die Imster Schlucht und ab dort wird das Inntal breit und auch etwas eintönig. Radfahrtechnisch blieb es weiter recht gemütlich und am frühen Nachmittag kam ich dann in Innsbruck (574), der Landeshauptstadt Tirols, an. In der Innenstadt, kurz vor dem Goldenen Dachl, fand ich eine preiswerte und sehr historische Unterkunft im Gasthof Weißes Kreuz, immerhin schon seit 1465 in Betrieb, innen sehr alt aber sehr gut renoviert. Hut ab vor dem Architekten! 

Da noch Zeit war, bummelte ich durch die Fußgängerzone und besichtigte die Hofburg, die in dieser Form von Maria Theresia ausgebaut worden war. Abends ging es dann in der Nähe des Tiroler Landtags in ein urgemütliches Brauereilokal. Dort wurde ein leckeres Tiroler Geröstl serviert und dazu ein Ia Hausbier. Man muss dazu nur die Hauptfuß-gängerzone (Maria-Theresien-Str.) Richtung Triumphbogen schlendern, dann findet man das Lokal linkerhand.

                         Weißes Kreuz                                                                         Hofburg innen                                                                                       Annasäule


Den Abend schloss ein Bummel durch den Hofgarten ab. Dort sah ich noch einigen Schachspielern im Hofgarten beim Freiluftschach zu.

 

 12. Tag Seefeld-Mittenwald-Garmisch-Saulgrub 74 km

Ursprünglich hatte ich ja geplant, nur bis Innsbruck zu radeln. Da die Tour aber mal wieder hervorragend gelaufen war und ich noch Zeit hatte, beschloss ich, die Tour bis Augsburg fortzusetzen. Dazu stieg ich zunächst mal einfach am Innsbrucker Hauptbahnhof in den Zug, ersparte mir den Steilanstieg über den Zirler Berg aus dem Inntal raus und stieg am Bahnhof in Seefeld (1180) aus. Der Weg raus aus Seefeld Richtung Scharnitz war etwas unübersichtlich. Ich fuhr auf der Landstraße Richtung Leutasch aus dem Ort raus, ca. einen halben Kilometer leicht den Berg hoch und bog dann auf Verdacht nach rechts nach Neuleutasch ab. Am Ende dieses Ortsteils mit wenigen Häusern landet man automatisch auf einem idyllischen Waldweg, der dann immer bergab führt und nach einer scharfen Rechts-Links-Kurve  in eine Landstraße mündet, die nach Gießenbach führt. Dort geht dann vor dem Ort ein Radweg linkerhand am Ort vorbei und führt einen direkt weiter an Scharnitz (964) vorbei, über die grüne österreichisch-deutsche Grenze zur  Isar, die dort noch frei durch die Landschaft rauscht, bevor Sie vor Mittenwald (920) in ein Zwangsbett gezwängt wird. Mittenwald ist eine kleine Marktgemeinde am Fuße des sehr eindrucksvollen Karwendelmassivs mit vielen hübschen Häusern mit Lüftlmalerei, Gebirgsjägern und vielen Touristen. Da die Sonne noch schien, gönnte ich mir in der Fußgängerzone einen Cappuccino und verließ dann den Ort Richtung Garmisch verlassen. Die nette Ziege dachte sich sicher nur: "Die spinnen, die Radfahrermenschen!"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

             Mittenwald Stadtkirche

Nach dem Verlassen Mittenwalds Richtung Garmisch kann man kurz nach dem Ortsende links abbiegen und über den Berg direkt nach Klais fahren. Ich habe das damals aber nicht gemerkt und fuhr stattdessen im Tal auf einem asphaltierten Radweg entlang der Bundesstraße bis zur Verzweigung Richtung München bzw. Garmisch. Vor lauter Unter- und Überführungen über die dortige Bundesstraßen verfranzte ich mich dann prompt und landete in Krün, war also irrtümlich Richtung München gefahren. 

Nun was soll`s! Der Weg ist beim Radfahren das Ziel! Also Brotzeit gemacht und dann endlich Richtung Klais und weiter entlang der Bundesstraße  B 2, diesmal also richtig, über Gerold und Kaltenbrunn mit Karacho bergab nach Garmisch-Partenkirchen (708). Die beiden ehemals selbständigen Ortsteile wurden 1935 in Vorbereitung auf die olympischen Winterspiele 1936 auf Druck der NSDAP zwangsverheiratet. Einer der beiden Bürgermeister wurde damals zwecks "Zustimmung" nach München beordert.
Ihm soll  bedeutet worden sein, dass er im Fall einer Weigerung gleich im nahen Dachau einziehen könne. Ja, ja, heute kann die CSU hier mit den dickköpfigen Bauern der Gegend, die partout Ihre Grundstücke nicht verkaufen wollen, nicht so "praktisch" verfahren. 

Das unmittelbar am Weg liegende Olympiastadion war daher Pflicht und die Skisprungschanze sieht ja auch wirklich beeindruckend aus. 

    

Leider kündigte mir Petrus nun zum ersten und einzigen Mal die Freund-schaft. Es wurde immer dunkler und auf der Weiterfahrt raus aus Garmisch Richtung Murnau fing es dann irgendwo zwischen Farchant und Oberau (659), inzwischen im Loisachtal, zu regnen an. Es kam aber noch besser. 
In Oberau angekommen fragte ich nach einem Radweg nach Kloster Ettal, da ich die Bundessstraße vermeiden wollte. Ich wurde auf die alte Ettaler  Landstraße verwiesen, die kürzer sei und auf der ich nur mal kurz schieben müsste! Ha Ha!
Die Straße entpuppte sich als Geröllweg mit ca. 17 % Steigung, es kann auch mehr gewesen sein. Ca. alle 100 m standen Schilder, die die Geschichte der Straße erläuterten. So z.B., dass die Fuhrleute damals 20 Pferde vorpannen mussten, um den Berg hinauf zu kommen. Bergab war es aber auch nicht ungefährlicher!
Nun denn, nach vielen Stops an den Infotäfelchen erreichte ich oben dann endlich die Bundesstraße und den Ettaler Sattel (869).
                   
                       

               Olympiastadion Garmisch

                                                                                                                                                                  


                                                                                                                                                                                                                                                 Alte Ettaler Str 

 

 

Bei fortwährendem Regen ging es dann hinab nach Kloster Ettal, dessen Internat sich wie die eine oder andere katholische Einrichtung auch als sehr "knabenfreundlich" erwiesen hatte. Dessen ungeachtet ist die dortige Kirche
für Liebhaber bayerischen Kirchenbarocks eine Besichtigung wert.

 

 

 

                                    
                                     

                                 
                                 Kloster Ettal


Weiter ging es auf dem Radweg, entlang des Ammerflusses nach Oberammergau (837), welches ich aufgrund 
Regens und fortgeschrittener Stunde links liegen ließ und bis Saulgrub (859) weiterradelte. Dort war ich dann trotz Regenjacke ziemlich klamm und durchfeuchtet und war glücklich, am Ortsrand ein freundliches Gasthaus zu finden.
Der Abend war dann recht gemütlich, da zwei Motorradfahrer dort ebenfalls übernachteten und wir einige dunkle Bierchen,
welche die Motorradler als Biersorte noch nicht kannten, zischten.  

 

13. Tag Saulgrub - Landsberg 57 km

Am nächsten Morgen waren meine Sachen wieder trocken und nach einem guten und reichhaltigen Frühstück mit den beiden Motrorradlern ging es dann weiter über Bad Bayersoien, Rottenbuch und Peiting bis Schongau (726) am Lech. Der Radweg war gut ausgeschildert und so konnte man die Voralpenlandschaft genießen, zumal sich auch die Sonne wieder blicken ließ. In Schongau suchte ich die Wegweiser für den Lechradweg Richtung Augsburg und fand diesen auch. Wer allerdings glaubt, der Radweg geht am Fluss lang, der irrt. Gleich hinter Schongau geht es steil den Hang rauf und dann kreuz und quer durch die Hügellandschaft, sehr schön, aber kein Lech!

                                                                            



Dafür sieht man dann so nette Sachen, wie die arme kleine, völlig durchnässte Plüschente, die wohl irgendein Kind verloren hatte und man konnte meinen, die Ente vermisste ihr Kind aus ganzem Entenherzen, so traurig schaute sie! Bis Epfach folgte ich noch dem Radweg, der dort mal kurz auf den Lech traf. Dort gab es eine Ia Gastwirtschaft, die preiswerte Schnitzel in allen erdenklichen Variationen auf der Speisekarte hatte.

Anschließend war ich die Herumgurkerei dann aber doch leid, suchte mir den kürzesten Weg zur B 17 Richtung Landsberg und radelte dann auf dem Radweg neben der Bundesstraße die letzten Kilometer auf der Diretissima nach Landsberg am Lech (587). Da es erst später Nachmittag war, konnte ich über die Touristeninformation noch ein preiswertes Hotel garni mitten in der Altstand (38,00 €) finden. 
Nach der obligatorischen Dusche und
Kleiderwechsel sah ich mir dann die wirklich sehenswerte, mittelalterliche Altstadt an, umwanderte einen Teil des Mauerrings und ließ mir wie viele Einheimische die Abendsonne am Lechwehr auf den Bauch scheinen. Zum Abschluss ging es noch in eine Sisha-Bar. Als ehemaliger Pfeifenraucher war das mal ganz witzig. Der rauhe Rachen am nächsten Morgen wird mich aber sicher davon abhalten, so etwas zu wiederholen. Jedenfalls war ich der älteste Gast und hatte aber einen netten Abend.

 

 

             

                   Landsberg Stadtmauer                                                                  Landsberg Rathaus                                                                      Landsberg Lechwehr 


14. u. letzter Tag Landsberg - Augsburg 50 km

Die letzte Etappe ließ ich ruhig angehen. Ich verließ Landsberg durch eines der lechabwärts liegendenden Stadttore und fand auch sofort den ausgeschilderten Radweg Richtung Augsburg. Die Strecke ist gut ausgeschildert und verläuft im flachen Lechtal sehr gemütlich. In Scheuring verlor ich den offiziellen Radweg. Das war aber kein Problem, da ich die Gegend von früher kenne. Ich fuhr einfach auf der Landstraße weiter Pitriching und nach Unterbergen gibt es dann eine Abzweigung Richtung Königsbrunn, die ich nahm. Man kreuzt dort den Lech und fährt direkt nach der Brücke runter auf einen Feldweg, der dann immer am Lech längs Richtung Augsburg geht.

Vom Lech sieht man dort allerdings nichts, da er einige Meter rechts des Wegs im Auwald versteckt ist. Am Ende kommt man am sogenannten Hochanlass am Ortsrand Augsburgs raus. Dies ist eine Wehranlage, von der schon seit frühesten Zeiten eine Abzweigung des Lechs zu verschiedenen Mühlkanälen in die Stadt Augsburg (494) führt. Dort liegen auch die ehemalige olympische Wildwasserkanustrecke und das Naherholungsgebiet Kuhsee. Ich fuhr über die Wehranlage und weiter entlang des Lechs bis Lechhausen und von dort in die Innenstadt zum Rathausplatz. Höchst nostalgische Gefühle ließen sich nicht vermeiden, da Augsburg meine ehemalige Studienstadt ist. Getoppt wurde das Ganze noch dadurch, dass ich dann während der Brotzeit auf dem Rathausplatz prompt einige Tische weiter eine ehemalige Studienkollegin erkannte,
die - fast - noch so aussah wie damals und das darf als Kompliment  verstanden werden. Wir haben dann natürlich über alte Zeiten geratscht und uns darüber ausgetauscht, was aus uns beiden geworden ist.

 

            Augsburg Hochablass                                                                         Augsburg Jakobertor                                                                         Augsburg Rathaus

 

Tja, und das war sie dann, meine Sommerradtour 2010. Die Heimreise nach Göppingen trat ich mit dem Zug an.

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